Richtig heben und stützen

Fast jeder, der einen Hund mit Bewegungsproblemen hat, hebt ihn irgendwann hoch. Und fast jeder macht dabei zuerst dasselbe falsch. Diese Seite zeigt, wo Sie anfassen — und wo auf keinen Fall.

Die drei Stellen, an denen Sie nicht anfassen

Das ist der wichtigste Teil dieser Seite, und er ist in drei Zeilen erzählt.

  • Nicht am Halsband und nicht am Nackenfell. Das gesamte Gewicht hängt dann an Hals und Halswirbelsäule. Bei einem Welpen mag das Bild aus der Natur kommen, bei einem ausgewachsenen Hund hat es damit nichts mehr zu tun.
  • Nicht an den Vorderbeinen hochziehen. Die Schultergelenke des Hundes sind nicht knöchern mit dem Rumpf verbunden, sondern muskulär aufgehängt. Ein Zug am Vorderbein zieht an genau dieser Aufhängung.
  • Nicht an einem einzelnen Bein und nicht an der Rute. Auch nicht „nur kurz“, auch nicht, um über die letzte Stufe zu kommen.

Und ein vierter Punkt, der nicht das Tier betrifft: nicht vorgebeugt und seitlich verdreht. Ein Hund mit 30 Kilogramm, den Sie täglich mehrfach so anheben, ist der kürzeste Weg zu Ihrem eigenen Rückenproblem. Sie helfen Ihrem Tier nicht, wenn Sie selbst ausfallen.

Kleine Hunde: der Zwei-Hände-Griff

  1. Gehen Sie in die Knie, statt sich vorzubeugen. Bringen Sie den Hund nah an Ihren Körper, bevor Sie ihn anheben.
  2. Eine Hand unter die Brust, zwischen oder knapp hinter die Vorderbeine.
  3. Die andere Hand unter das Becken oder unter den Bauch vor den Hinterbeinen.
  4. Waagerecht anheben, beide Hände gleichzeitig. Der Rücken des Hundes bleibt gerade, der Körper wird nicht abgeknickt.
  5. Ebenso waagerecht wieder absetzen — nicht fallen lassen, sobald die Pfoten den Boden berühren.

Bei Rassen mit langem Rücken, etwa Dackeln, ist das gerade Halten der Wirbelsäule kein Detail, sondern der Kern der Sache. Mehr dazu unter Bandscheibenvorfall.

Große Hunde: stützen statt tragen

Ab einer gewissen Größe ist Tragen keine Dauerlösung, und meistens ist es auch nicht nötig. Was gebraucht wird, ist Unterstützung: Ein Teil des Gewichts wird abgenommen, der Hund macht den Rest selbst.

Mit der flachen Hand

Für den kurzen Moment beim Aufstehen: eine flache Hand mittig unter den Bauch, vor die Hinterbeine, und den Hund nach oben begleiten — nicht ruckartig ziehen, sondern die Bewegung mitnehmen, die er ohnehin macht. Der Zeitpunkt zählt: Wer im falschen Moment zieht, bringt den Hund aus dem Gleichgewicht.

Mit einem Handtuch

Ein zusammengelegtes Handtuch oder ein Bettlaken unter dem Bauch, beide Enden nach oben in eine Hand: Das ist die Notlösung, die in jeder Wohnung verfügbar ist, und für ein paar Tage funktioniert sie. Ihre Grenzen liegen auf der Hand — es rutscht seitlich weg, die Kanten schneiden ein, Sie brauchen beide Hände und können keine Tür öffnen, und bei Rüden liegt es an der falschen Stelle.

Mit einem Hebegeschirr

Für mehrmals täglich über Wochen ist ein Geschirr die bessere Lösung. Worauf es dabei ankommt:

  • Griffe mittig über der Wirbelsäule, nicht seitlich. Sitzt der Griff seitlich, verkantet der Hund beim Anheben und wird zur Seite gezogen.
  • Breite, gepolsterte Auflageflächen statt schmaler Gurte. Der Druck verteilt sich sonst auf wenige Zentimeter.
  • Einhändig führbar. Die zweite Hand brauchen Sie für die Tür, die Leine oder das Treppengeländer.
  • Anlegbar, ohne dass der Hund aufstehen muss. Genau darum geht es ja.
  • Passform. Ein Geschirr, das rutscht, ist gefährlicher als keines. Siehe Den Hund richtig messen.

Treppe, Auto, Türschwelle

Treppe abwärts

Die schwierigere Richtung. Der Hund geht voraus, Sie gehen dahinter oder seitlich versetzt und nehmen einen Teil des Gewichts von hinten auf. Nie am Hund ziehen, während er noch die Balance sucht. Eine gesicherte Treppe nimmt dabei den größten Teil des Problems weg — dazu Treppen und Autoeinstieg.

Ins Auto

Eine Rampe ist fast immer besser als Heben, für den Hund und für Sie. Wenn gehoben werden muss: Vorderpfoten zuerst auf die Ladekante setzen lassen, dann die Hinterhand nachheben. So tragen Sie nur einen Teil des Gewichts und der Hund bleibt an der Bewegung beteiligt.

Über Schwellen und glatte Flächen

Häufig braucht es gar kein Heben, sondern nur Halt. Eine durchgehende rutschfeste Spur löst mehr Situationen als jede Hebetechnik — Rutschiger Boden.

Wenn der Hund sich wehrt

Abwehr beim Anfassen ist eine Information, keine Unart. Sie kann heißen, dass genau diese Stelle empfindlich ist. Zwingen Sie nichts, notieren Sie, wo und wann es passiert, und nehmen Sie diese Beobachtung mit in die Praxis. Ein Hund, der einmal beim Hochheben Schmerzen hatte, wehrt sich beim nächsten Mal früher — das ist Lernen, nicht Sturheit.

Bei einem Tier, das aus Schmerz schnappen könnte, gehört die Frage nach einem Maulkorb-Training in die Praxis, bevor es akut wird. Das ist keine Bestrafung, sondern Vorbereitung.

Ihr eigener Rücken

  • In die Knie gehen statt sich vorzubeugen, Last nah am Körper führen.
  • Nicht heben und dabei den Oberkörper verdrehen. Erst heben, dann mit den Füßen drehen.
  • Bei schweren Hunden zu zweit: einer vorn, einer hinten, auf ein Kommando.
  • Feste Schuhe, wenn Sie auf Stufen oder auf nassem Untergrund heben.

Passende Produkte von ORVETA

Das Hebegeschirr ist für genau diese Situationen gebaut: zwei Griffe mittig über der Wirbelsäule, sodass Sie einen Teil des Körpergewichts aufnehmen können, ohne den Hund seitlich zu verkanten. Ab Herbst 2026 bei Amazon.

Rampen, Tragehilfen für den Rücken des Menschen oder Rollwagen führen wir nicht. Wenn Sie so etwas brauchen, sagen wir Ihnen das lieber, als Ihnen etwas anderes zu verkaufen.

Wann in die Praxis

Wenn Sie Ihren Hund regelmäßig heben müssen, ist das an sich schon ein Befund. Lassen Sie klären, woran es liegt, statt sich dauerhaft eine Technik anzugewöhnen — vieles, was Heben nötig macht, ist behandelbar oder zumindest beeinflussbar.

Wann Sie nicht abwarten sollten

Rufen Sie Ihre Praxis an oder fahren Sie in die nächste Tierklinik, wenn eines davon auftritt: Ihr Tier kann plötzlich nicht mehr aufstehen oder laufen, es belastet ein Bein gar nicht mehr, es schwankt oder fällt um, es schreit oder jault bei Bewegung, es setzt Kot oder Urin unkontrolliert ab, oder die Hinterhand ist plötzlich schwach oder gefühllos. Bei Dackeln, Französischen Bulldoggen und Möpsen zählt bei plötzlichen Rückenproblemen jede Stunde.

Häufige Fragen

Wie hebe ich einen kleinen Hund richtig hoch?
In die Knie gehen, eine Hand unter die Brust hinter die Vorderbeine, die andere unter das Becken, dann waagerecht anheben und nah am Körper führen. Der Rücken des Hundes bleibt dabei gerade und wird nicht abgeknickt.
Darf ich meinen Hund am Nackenfell hochheben?
Nein. Bei einem ausgewachsenen Hund hängt dann das gesamte Gewicht an Hals und Halswirbelsäule. Das Bild vom Welpentransport lässt sich auf einen erwachsenen Hund nicht übertragen.
Reicht ein Handtuch als Hebehilfe?
Für ein paar Tage ja, dauerhaft nicht. Ein Handtuch rutscht seitlich weg, die Kanten schneiden ein, und Sie brauchen beide Hände. Für mehrmals täglich über Wochen ist ein Geschirr mit festen Griffen die bessere Lösung.
Warum sollen die Griffe über der Wirbelsäule sitzen?
Weil die Last dann mittig aufgenommen wird. Sitzt der Griff seitlich, wird der Hund beim Anheben zur Seite gezogen und muss gegenhalten — genau das, was in dieser Situation vermieden werden soll.
Wie trage ich meinen Hund die Treppe hinunter?
Möglichst gar nicht abwärts tragen, sondern stützen: Der Hund geht voraus, Sie gehen dahinter oder seitlich versetzt und nehmen einen Teil des Gewichts von hinten auf. Ziehen Sie nicht, während er die Balance sucht.
Mein Hund wehrt sich, wenn ich ihn hochhebe. Was tun?
Nicht erzwingen. Abwehr beim Anfassen kann bedeuten, dass genau diese Stelle empfindlich ist. Notieren Sie, wo und wann es auftritt, und nehmen Sie die Beobachtung mit in die Praxis.
Wie hebe ich meinen Hund ins Auto, ohne mir den Rücken zu ruinieren?
Wenn möglich mit einer Rampe. Wenn gehoben werden muss: die Vorderpfoten zuerst auf die Ladekante setzen lassen und dann die Hinterhand nachheben, in die Knie gehen statt sich vorzubeugen und den Oberkörper beim Heben nicht verdrehen.
Ab welchem Gewicht sollte man zu zweit heben?
Eine feste Grenze gibt es nicht — sie hängt von Ihrer Statur, der Situation und davon ab, wie oft am Tag gehoben wird. Als Faustregel: Sobald Sie beim Heben den Rücken rund machen oder sich verdrehen müssen, ist es zu schwer für eine Person.

Wichtig

Ersetzt keine tierärztliche Behandlung. Anwendung und Belastungsdauer stimmen Sie bitte mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt ab.

Dieser Text beschreibt Alltagssituationen und allgemein bekannte Vorgehensweisen. Er ist keine medizinische Beratung, stellt keine Diagnose und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.