Hilfe bei Beschwerden

Zwölf Ratgeber für Hunde, deren Bewegungsapparat Unterstützung braucht. Zu jedem Thema finden Sie: was Sie beobachten können, was dahinterstecken kann, was im Alltag etwas ändert — und woran Sie erkennen, dass es in die Praxis gehört.

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Wann Sie nicht abwarten sollten

Rufen Sie Ihre Praxis an oder fahren Sie in die nächste Tierklinik, wenn eines davon auftritt: Ihr Tier kann plötzlich nicht mehr aufstehen oder laufen, es belastet ein Bein gar nicht mehr, es schwankt oder fällt um, es schreit oder jault bei Bewegung, es setzt Kot oder Urin unkontrolliert ab, oder die Hinterhand ist plötzlich schwach oder gefühllos. Bei Dackeln, Französischen Bulldoggen und Möpsen zählt bei plötzlichen Rückenproblemen jede Stunde.

Kurz erklärt

Begriffe, die Ihnen in der Praxis oder im Befund begegnen — in einem Satz, ohne Fachjargon.

Propriozeption
Die Wahrnehmung des Körpers für die eigene Stellung im Raum — also die Information, wo Pfote und Gelenk gerade sind, ohne hinzusehen. Training auf instabilem Untergrund spricht diese Wahrnehmung an und ist deshalb ein fester Baustein der Tierphysiotherapie.
Chondrodystrophie
Eine genetisch bedingte Wachstumsform mit verkürzten Gliedmaßen, wie sie bei Dackel, Französischer Bulldogge, Mops, Beagle oder Pekinese vorkommt. Sie geht mit einer früher einsetzenden Veränderung der Bandscheiben einher.
Muskelatrophie
Der Rückgang von Muskelmasse, wenn Muskulatur über längere Zeit nicht benutzt wird. Bei Hunden fällt sie meist zuerst an der Hinterhand auf: Eine Seite wirkt schmaler als die andere.
Lahmheit
Eine sichtbare Abweichung im Gangbild. In der Praxis wird sie in Graden beschrieben — von einer nur bei genauem Hinsehen erkennbaren Unregelmäßigkeit bis zur vollständigen Nichtbelastung eines Beins.
Boxenruhe
Eine ärztlich angeordnete, sehr strikte Bewegungseinschränkung über einen festgelegten Zeitraum. Sie ist keine Nebensache neben der eigentlichen Behandlung, sondern selbst ein Teil davon.
Unterwasserlaufband
Ein Laufband in einem Becken. Der Auftrieb des Wassers verringert das Gewicht, das die Beine tragen, und der Wasserwiderstand verlangsamt die Bewegung. Die Höhe des Wasserstands verändert beides.
Cavaletti-Arbeit
Das Gehen über niedrig gelegte Stangen in gleichmäßigem Abstand. Der Hund muss die Pfoten bewusst anheben, statt sie im gewohnten Muster durchschwingen zu lassen.
Propriozeptives Defizit
Der Befund, dass ein Tier die Stellung einer Pfote nicht mehr zuverlässig wahrnimmt. In der neurologischen Untersuchung wird das unter anderem durch das Umdrehen der Pfote geprüft.
Konservative Behandlung
Jede Behandlung ohne Operation. Was dazugehört, hängt vom Befund ab und wird in der Praxis festgelegt.
HD-Grade A bis E
Eine Einteilung des Röntgenbefunds an den Hüftgelenken, wie sie in der Zuchtzulassung verwendet wird. Sie beschreibt das Bild, nicht die Beschwerden — ein Hund mit auffälligem Befund kann beschwerdefrei laufen und umgekehrt.

Häufige Fragen

Mein Hund lahmt seit gestern. Muss ich sofort zum Tierarzt?
Eine Lahmheit, die länger als ein bis zwei Tage anhält, gehört untersucht. Sofort und ohne Abwarten gilt: Das Bein wird gar nicht mehr belastet, das Tier schreit bei Bewegung, die Hinterhand ist plötzlich schwach, oder es kommt gar nicht mehr hoch.
Woran erkenne ich, dass mein Hund Schmerzen hat?
Hunde zeigen Schmerz selten so, wie Menschen ihn erwarten. Häufiger sind: verändertes Aufstehen und Ablegen, kleinerer Bewegungsradius, Rückzug, Hecheln in Ruhe ohne Wärme oder Anstrengung, Reizbarkeit beim Anfassen, verändertes Sitzen. Jaulen ist eher die Ausnahme.
Ist Bewegung bei Gelenkproblemen gut oder schlecht?
Beides ist möglich, und genau deshalb gehört die Frage in die Praxis. Als grobes Muster gilt in der Nachsorge: gleichmäßig verteilte, ruhige Bewegung statt Belastungsspitzen — also lieber häufiger und kürzer als einmal die große Runde am Wochenende.
Wie hebe ich meinen Hund richtig hoch?
Nicht am Halsband, nicht am Nackenfell, nicht an den Vorderbeinen. Bei kleinen Hunden eine Hand unter der Brust, eine unter dem Becken, waagerecht anheben. Bei größeren Hunden zu zweit oder mit einem Hilfsmittel, dessen Griffe über der Wirbelsäule liegen. Ausführlich steht das unter Richtig heben und stützen.
Was kann ich zu Hause sofort ändern?
Drei Dinge, die nichts oder fast nichts kosten: eine durchgehende rutschfeste Spur vom Liegeplatz zur Tür, gekürzte Krallen und freies Pfotenhaar zwischen den Ballen, und ein Liegeplatz mit fester Kante statt eines tief durchhängenden Kissens.
Woran erkenne ich, dass es das Alter ist und nicht eine Erkrankung?
Von außen gar nicht — und das ist der Punkt. Was wie Alterung aussieht, ist häufig Schmerz, und Schmerz ist behandelbar. „Er wird halt alt“ ist keine Diagnose, sondern eine Vermutung, die man überprüfen lassen sollte.
Soll ich vor dem Tierarztbesuch etwas vorbereiten?
Ja, und das Wirksamste ist ein Handyvideo. Filmen Sie Ihren Hund beim Aufstehen und beim Laufen, zu Hause, ungestellt, am besten morgens. In der Praxis steht ein Hund unter Anspannung und zeigt oft genau das nicht, was Sie zu Hause sehen.
Sind Ihre Ratgeber von einem Tierarzt geschrieben?
Nein. Sie beschreiben Alltagssituationen und allgemein bekannte Vorgehensweisen und sind bewusst so geschrieben, dass sie nichts diagnostizieren und nichts versprechen. Wo eine Frage in die Praxis gehört, schreiben wir das hin, statt sie zu beantworten.
Verkaufen Sie hier etwas?
Auf dieser Website nicht. Sie ist kein Shop. Unsere drei Produkte werden über Amazon verkauft, und wir verlinken sie dort, wo sie zur Situation passen. Die Ratgeber sind vollständig lesbar, ohne dass Sie irgendetwas kaufen oder angeben müssen.
Ersetzen ORVETA-Produkte eine Behandlung?
Nein. Sie sind keine Medizinprodukte im Sinne der Verordnung (EU) 2017/745 und tragen kein CE-Zeichen. Sie sind Hilfsmittel für den Alltag und Werkzeuge in einem Behandlungsplan — nicht dessen Ersatz.

Wichtig

Ersetzt keine tierärztliche Behandlung. Anwendung und Belastungsdauer stimmen Sie bitte mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt ab.

Die Texte in diesem Bereich beschreiben Alltagssituationen und allgemein bekannte Vorgehensweisen. Sie sind keine medizinische Beratung, stellen keine Diagnose und ersetzen keine tierärztliche Untersuchung.